Beograd

Ich muss mich entschuldigen. Vielmals. Izvinite, Beogradu!
[ich hoffe, das habe ich jetzt formvollendet hinbekommen]

Beograd I
Anreise per Direktflug. Fast zu nah fürs Fliegen von Wien.
Wir kommen in eine Stadt, die ’nichts von uns will und von der wir nichts wollen‘.
Welch ein Irrtum.
Beograd stellt sich als eine Stadt heraus, die äußerst vielschichtig, architektonisch interessant, voll mit Konditoreien und erforschenswerten Ecken, Gewässern, Bloks, Friedhöfen und Menschen ist.

Stadt der Heizpilze -Oktoberabende im Schanigarten, erst warme Herbstsonne und dann ein Kälteeinbruch mit knapp über null Grad.

Wir erkunden Novi Beograd, ohne Ziel und ohne Plan und sind erstaunt. Viele Kilometer zu Fuß, ein paar mit der quietschenden Straßenbahn. Bis zum städtischen Friedhof kommen wir, der gefällt uns auf dem Stadtplan in seiner kringeligen Anlage.

Beograd II

Ich nähere mich mit dem Fahrrad, eine einsame Etappe am noch kühlen Morgen eines knallheißen Julitags, durchs ländliche Umfeld und dann rein nach Zemun. Ziemlich arger Verkehr macht mir das Leben unangenehm, ich schiebe teilweise das Rad wegen des dichten Verkehrs und der schmalen Straße.

Zemun, früher Semlin, war lange der Außenposten der Donaumonarchie zum osmanischen Reich. Ich fühle mich sehr heimisch, die Stadtsilhouette ist die eines österreichisch-ungarisches Kleinstädtchens, die Kirchen ganz in vertrautem Barock. Dahinter sehr kontrastreich die Bloks von Novi Beograd.
So ein Glück, dass das Militär eine Pontonbrücke zur Großen Kriegsinsel / Veliko Ratno Ostrvo gebaut hat. So kann man sein Radl rüberschieben und im seichten Donauwasser baden.

 

Im Juli ist Beograd die Stadt der Wassersprüher -den brütend heissen Julinachmittagen wars aber egal , ebenso in den Schanigärten der Innenstadt. Stadt der coolsten Lokale – im vermutlich nicht mehr in der Form existenten Stadtteil Sava Mala. Dort wird gerade in einem intransparenten Prozess mit Finanzierung aus dem nahen Osten ein neuer Stadtteil errichtet, Belgrade Waterfront genannt.

Die Erkundungen per Fahrrad waren ein besonderes Erlebnis, Beograd ist teilweise sehr hügelig und man ist nicht auf radelnde VerkehrsteilnehmerInnen eingestellt. Exotenalarm!